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Geschäfts- und Finanzbericht 2020

Fokusthema Abhängigkeitserkrankungen

Die Covid-19-Pandemie hat das vergangene Geschäftsjahr der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) massgeblich geprägt. Bereits Ende Januar 2020 wurde ein interprofessioneller Pandemiestab eingesetzt, der noch heute für die Einschätzung der aktuellen Lage sowie für die Festlegung entsprechender Massnahmen verantwortlich zeichnet. Diese forderten von den Patientinnen und Patienten, ihren Angehörigen wie auch seitens der Mitarbeitenden teilweise viel Flexibilität, Verständnis und Entschlossenheit. Durch sie ist es aber bis anhin auch gelungen, die Patientenversorgung in allen Settings aufrechtzuerhalten und die Patientinnen und Patienten sowie die Mitarbeitenden vor einer Ansteckung zu schützen.

Der ökonomische Geschäftsgang der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich litt trotz eines sehr guten Starts in den ersten beiden Monaten am Ende des Berichtsjahres pandemiebedingt. Die Einrichtung von Covid-19-Stationen für coronapositive Patientinnen und Patienten sowie von Stationen für vulnerable Patienten schlug sich in der zeitweise relativ tiefen stationären Auslastung nieder. Bei den Tageskliniken zeigte sich aufgrund der Beschränkung der Gruppengrössen und der teilweisen temporären Schliessung einzelner Tageskliniken ein ähnliches Bild. Die Zunahme der Telemedizin im ambulanten Bereich konnte den im stationären und tagesklinischen Sektor entstandenen finanziellen Einbruch nicht kompensieren. Zudem fielen die Personalkosten erheblich höher aus als budgetiert: Coronabedingte Ausfälle beim Personal oder die je nach Klinik erhöhte Suizidalität bei Patientinnen und Patienten sowie die daraus resultierende Zunahme von 1:1-Betreuungen führten zu deutlich höheren Kosten.
(Weitere Details zum Jahresabschluss finden sich im Finanzbericht 2020.)

Nichtsdestotrotz schritten bereits initialisierte oder neue zukunftsweisende Projekte zur Umsetzung der Strategie 2025 planmässig voran: Die Testplanung für den Spitalneubau konnte letztes Jahr abgeschlossen werden. Der definitive Schlussbericht zeigt auf, in welcher Form und in welchem Umfang die PUK an der Lenggstrasse künftig bauen kann. Im Rahmen der digitalen Transformation wurde die ICT-Strategie überarbeitet. Zudem konnte der Zuschlag für ein neues Klinikinformationssystem erteilt werden. Parallel zu dessen Einführung werden die diesbezüglichen Geschäftsprozesse überprüft und allenfalls angepasst. Ausserdem werden die Netzwerk-Infrastruktur und die Telefonie modernisiert und ausgebaut sowie ein elektronisches Archiv eingeführt.

Der thematische Fokus des Geschäftsberichts 2020 liegt auf den Abhängigkeitserkrankungen, die bereits seit längerem einen bedeutenden Schwerpunkt innerhalb der Behandlungs- und Forschungstätigkeit der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich darstellen und die vor dem Hintergrund der Pandemie eine neue Dynamik erfahren haben. In der Schweiz besteht eine im internationalen Vergleich tendenziell hohe Anfälligkeit zur Entwicklung von Abhängigkeitserkrankungen. Unbewältigte Herausforderungen und Überforderung sind die häufigsten Ursachen für die Entwicklung von Suchtverhalten wie auch ein Defizit an anderen Befriedigungserlebnissen. Je nach Lebensphase zeigen sich Abhängigkeitserkrankungen in unterschiedlicher Form und Ausprägung mit entsprechend spezifischen Bedürfnissen der Betroffenen und ihrem Umfeld an die Behandlungsangebote. Die Covid-19-Pandemie brachte neue, zusätzliche Stressoren mit sich, die die Anfälligkeit zur Bildung und Aufrechterhaltung von Abhängigkeitserkrankungen zusätzlich erhöhen. Insbesondere Kinder und Jugendliche stellen eine besonders vulnerable Bevölkerungsgruppe dar, die unter der Pandemie leidet und unter anderem mit erhöhtem Substanzkonsum und der Zunahme von Verhaltenssüchten wie zum Beispiel einem signifikant angestiegenen Medienkonsum während des Lockdowns reagiert.

Die Auseinandersetzung mit der Covid-19-Pandemie zwang die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich mancherorts dazu, genauer hinzusehen, Prozesse zu hinterfragen, Mängel zu beheben und Veränderungen anzustossen. Aus dieser Perspektive betrachtet, eröffnete das vergangene Jahr trotz der widrigen Rahmenbedingungen durchaus auch Chancen und Potenzial für weiterführende Entwicklungen, die die PUK nicht ungenutzt lassen wird. Ermöglicht wird dies durch den ausserordentlichen und hervorragenden Einsatz aller Mitarbeitenden, denen ein ganz besonderer Dank gebührt.