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Steigender Behandlungsbedarf in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Noch nie mussten in der Schweiz so viele Jugendliche psychiatrisch beziehungsweise psychotherapeutisch behandelt werden wie seit der Covid-19-Pandemie. Besonders betroffen sind die 14- bis 18-Jährigen sowie vor allem weibliche Jugendliche. Sorgen bereitet aber auch, dass die Patientinnen und Patienten immer jünger werden.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza, Direktorin Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

In den Auswertungen der Jahre 2020 und 2021 des Bundesamts für Statistik zeigte sich, dass die stationären Spitalaufenthalte bei Mädchen und jungen Frauen im Alter von 10 bis 24 Jahren um 26 % zugenommen haben. Bei männlichen Jugendlichen stieg die Anzahl um 6%. Zudem ist im Jahr 2022 nach vielen Jahren wieder ein Anstieg an Suiziden bei weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen zu beobachten.

Ambulante Konsultationen KJPP Stationäre Behandlungen KJPP

Die Erhebungen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie weisen einen kontinuierlichen Anstieg der Inanspruchnahme unserer ambulanten und auch stationären Angebote seit 2016 aus (Abb. 1 und 2). Neben diesem bereits bestehenden Anstieg zeigte sich mit der Covid-19-Pandemie eine erhebliche Akzentuierung und ein massiver weiterer Bedarf an Hilfe. Dies ist vor allem an der deutlich gestiegenen Inanspruchnahme des Notfalldienstes zu erkennen (Abb. 3). Telefonische Beratungen und Notfall-Vorstellungen vor Ort nahmen in einem nie dagewesenen Ausmass zu.

Anstieg Notfälle 2019-2021

Abbildung 3 zeigt diesen Anstieg von 2019 auf 2021. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie hat diese Daten auch dem Statistischen Amt des Kantons Zürich sowie gemeinsam mit Resultaten, die repräsentativ in der schweizerischen Allgemeinbevölkerung erhoben wurden, der Task Force des Bundes zur Verfügung gestellt.

Zunahme von depressiven Störungen

Zu den Erkrankungen, die in den letzten Jahren markant zugenommen haben, gehören zum Beispiel Depressionen, die ihrerseits häufig mit selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität einhergehen können. Depressionen oder Angst werden - mehr als genetisch bedingte Störungen - von zunehmendem Stress verstärkt oder gar verursacht. Die folgende Abbildung 4 zeigt den Anstieg von Patientinnen und Patienten mit Depressionen, affektiven und emotionalen Störungen, die sich in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in den letzten knapp 15 Jahren vorstellten. Auch im Vergleich zu anderen Erkrankungen nahm diese Diagnosegruppe der internalisierenden und mit Depressionen verbundenen Störungen zu (Abb. 5).

Zunahme affektive und emotionale Störungen 2007-2021 in Zahlen Zunahme affektive und emotionale Störungen 2007-2021 in Prozent

Sofortmassnahmen zur Verbesserung der Versorgung

Dieser Anstieg des allgemeinen Behandlungsbedarfs und auch die Zunahme der Intensität der psychischen Belastungen beunruhigen sehr, sie kommen jedoch nicht nur unerwartet. Die klinischen Fachvertreterinnen und Fachvertreter haben diese Zuspitzung und Krise in der Versorgung rasch realisiert und vielfältig darauf aufmerksam gemacht. Noch nie haben Direktionen von Gesundheit und Bildung der Kantone so schnell und intensiv mit Massnahmen für eine sofortige Entlastung und bessere Versorgung reagiert und eng mit den Institutionen zusammengearbeitet.

Der Regierungsrat des Kantons Zürich stellte als einer der ersten Kantone bereits im Juni 2021 CHF 7.9 Mio. zum Ausbau zusätzlicher ambulanter und stationärer Behandlungskapazitäten in fünf Institutionen zur Verfügung. An der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich wurden daraufhin sowie mit weiterer Unterstützung von Stiftungen wie Children Action im Berichtsjahr die Krisenintervention für Jugendliche - Life eröffnet, tagesklinische Plätze für Jugendliche ausgebaut sowie Kapazitäten im Notfall- und Konsiliardienst und ambulante Behandlungsplätze erweitert. Im November 2022 hat die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich nochmals Subventionen in Höhe von CHF 5.6 Mio. für die Krisenbehandlung, für das stationsersetzende Home Treatment und weitere tagesklinische Versorgungsplätze gesprochen.

Wie geht es weiter?

Nach Zürich und Lausanne zogen auch viele andere Kantone nach und sprachen Gelder für Sofortmassnahmen zur Verbesserung der Versorgungskapazitäten und -angebote. Die aktuellen Daten mahnen aber auch, dass wir jetzt nicht nachlassen dürfen, sondern dass wir weiter in die Prävention, Primär- und Sekundärversorgung investieren müssen. Des Weiteren müssen aus Sicht der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Institutionen wie Schulen und Ausbildungsbetriebe sowie vor allem auch die Familien selbst gestärkt, aber auch in die Verantwortung genommen werden.

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