Erste Erfahrungen

Immer mehr Jugendliche fühlen sich in Schule und Alltag überfordert, geraten in suizidale Krisen und benötigen psychiatrische Hilfe. Die Notfallzahlen steigen seit Jahren, die Wartelisten der Ambulatorien und stationären Behandlungsangebote sind lang. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie eröffnete in der Folge am 3. Oktober 2022 die Krisenintervention für Jugendliche - Life, ein neuartiges Angebot, das Jugendliche in suizidalen Krisen frühzeitig auffangen und längere psychiatrische Hospitalisationen verhindern soll.

Dr. med. Maurizia Franscini, Leitende Ärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Die dank der grosszügigen Hilfe der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich sowie von Stiftungen wie Children Action und Paul Peter Alden Stiftung ermöglichte Krisenintervention für Jugendliche - Life nimmt Jugendliche im Alter von 13 (in Ausnahmefällen 12) bis 18 Jahren auf, die sich in einer depressiven und suizidalen Krise befinden. Mit einem erhöhten Personalschlüssel wollen wir über ein intensives Beziehungsangebot die Jugendlichen auffangen und sie mit Fokus auf ihre Ressourcen und unter engem Einbezug der Eltern und des Umfelds so rasch wie möglich wieder in ihr angestammtes familiäres und schulisches Umfeld integrieren.

Behandlungssettings mit fliessendem Übergang

Die Jugendlichen werden in der Krisenintervention für Jugendliche - Life maximal drei Monate lang behandelt. Das Behandlungsprogramm besteht aus drei Behandlungssettings: stationär, tagesklinisch und ambulant. Die stationäre Krisenstation mit 8 Betten bietet eine niederschwellige Aufnahme für Jugendliche in Krisen an. Ein Bett wird immer freigehalten. Dies ermöglicht eine flexible Aufnahme innerhalb eines kurzen Zeitraums im Falle einer Krise. Die Jugendlichen erhalten sofortige Hilfe durch ein interprofessionelles Team, das aus Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiatern, Psychologinnen und Psychologen, aus Pflegefachpersonen sowie aus Fachpersonen aus den Bereichen Sozialpädagogik, Heilpädagogik, Soziale Arbeit und Spezialtherapien besteht und eng zusammenarbeitet. Der stationäre Aufenthalt beträgt im Durchschnitt 14 Tage, danach wird die therapeutische Behandlung in der Tagesklinik oder in der Intensivambulanz fortgesetzt. Eine Verlegung innerhalb der verschiedenen Behandlungssettings ist schnell und flexibel möglich.

Die Tagesklinik besteht aus 6 Plätzen. Die Jugendlichen in der Tagesklinik werden tagsüber im Rahmen des Therapieprogramms behandelt und kehren abends in ihr gewohntes Umfeld zurück. Eine Rückkehr in die reguläre Schulklasse wird gefördert. Die Jugendlichen treten in das intensive ambulante Setting über, nachdem sie zuvor stationär oder in der Tagesklinik behandelt wurden. Im ambulanten Setting werden die begonnenen Behandlungsstrategien fortgesetzt. Die Jugendlichen erhalten mehrere therapeutische Sitzungen pro Woche im Einzel-, Familien- und Gruppensetting mit dem Ziel, den Alltag bewältigen zu können.

Erfahrungen der ersten drei Betriebsmonate

Vom ersten Tag an war das Interesse an dieser innovativen Behandlungsform gross und innerhalb kürzester Zeit waren alle Behandlungsplätze belegt. Bislang haben alle unsere jungen Patientinnen und Patienten von der Krisenintervention für Jugendliche - Life profitiert. Gemäss den Rückmeldungen der Jugendlichen und Eltern wird unser Behandlungskonzept nach dem Motto «Sicherheit durch Beziehung» sehr gut angenommen und als sehr hilfreich empfunden. Patientinnen und Patienten sowie deren Eltern beschreiben dies mit folgenden Worten:

«Unser Kind hat in kurzer Zeit ein grosses Selbstvertrauen aufgebaut.»

«Die Einbindung der Eltern durch das Behandlungsteam ist sehr hilfreich.»

«Mir gefällt besonders, wie das Personal hier auf die Jugendlichen eingeht.»

«Mir gefällt die gute und sichere Atmosphäre, die beibehalten werden sollte. Ich finde auch, dass das Life selbst schön und gemütlich eingerichtet ist und das Ambiente eher an ein Wohnheim als an eine Klinik erinnert.»

Die Krisenintervention für Jugendliche - Life in Zahlen

In den ersten drei Betriebsmonaten vom 3. Oktober bis zum 31. Dezember 2022 erfolgten 45 Anmeldungen respektive wurden 45 zeitnahe Indikationsgespräche geführt. 35 Jugendliche wurden in der Folge in die Krisenintervention für Jugendliche – Life aufgenommen, davon 28 stationär und 7 direkt in die Tagesklinik. Von den stationär behandelten Jugendlichen waren 23 Mädchen und 5 Jungen. Für 10 Jugendliche fand nach dem Indikationsgespräch keine Aufnahme statt. Stattdessen wurden andere Behandlungsmöglichkeiten empfohlen oder von den Jugendlichen und ihren Familien gewünscht.

Aufgrund der flexiblen Durchlässigkeit zwischen den drei Behandlungssettings wechselten die Patientinnen und Patienten je nach Fortschritt ihrer Genesung das Setting. So wurden neben den ursprünglich 28 stationären Patientinnen und Patienten insgesamt 17 Jugendliche in der Tagesklinik sowie 28 Jugendliche ambulant behandelt. Nur eine Jugendliche hat die Behandlung nach dem stationären Aufenthalt abgebrochen.

Das Durchschnittsalter der behandelten Jugendlichen betrug 15.5 Jahre. Bei 85 % der jugendlichen Patientinnen und Patienten wurde als Hauptdiagnose eine depressive Störung festgestellt.

Stationär betrugen die Wartezeiten bis zu einer Platzierung in der Krisenintervention für Jugendliche – Life zwischen wenigen Tagen bis maximal 10 Tage, wobei diese Wartezeit primär durch eine Bedenkzeit seitens der Jugendlichen entstanden ist. Tagesklinisch und ambulant entstanden keine Wartezeiten.

Die Zuweisungen in die Krisenintervention für Jugendliche – Life erfolgten hauptsächlich aus dem zentralen Notfalldienst und den Ambulatorien der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Auch niedergelassene Psychiaterinnen und Psychiater sowie andere Kliniken nahmen das Angebot zunehmend in Anspruch.

Fast alle Jugendlichen, die die Intensivbehandlung in der Krisenintervention für Jugendliche - Life beendet hatten, nahmen anschliessend eine ambulante psychotherapeutische Behandlung bei einer niedergelassenen Psychiaterin oder einem niedergelassenen Psychiater oder in einem der Ambulatorien der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie wahr.

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