Was kostet die Demenzbehandlung in psychiatrischen Kliniken?
Wir kennen alle die scheinbar unausweichlichen Prognosen: Die Gesellschaft altert, mit dem Alter steigt das Demenzrisiko. Also laufen wir unausweichlich auf ein Szenario zu, in dem die Versorgungskosten für Demenz so stark ansteigen, dass wir sie uns nicht mehr leisten können. Oder doch?
In der Tat gibt es beunruhigende Zahlen: In Grossbritannien ist etwa jedes vierte Akutspitalbett von Patientinnen und Patienten mit Demenz belegt. Deren Aufenthaltsdauer ist ausserdem etwa doppelt so hoch wie bei Patienten ohne Demenz. Wie sieht es aber mit den Kosten der Demenzversorgung in psychiatrischen Spitälern in der Schweiz aus? Eine erste Schätzung ging für das Jahr 2007 von Gesamtkosten in Höhe von etwa CHF 110 Mio. aus. Eine neuere Schätzung kam für das Jahr 2017 auf einen Betrag von CHF 76 Mio. - ohne dabei jedoch die Universitätskliniken zu berücksichtigen. Ist Demenzversorgung im psychiatrischen Spital also vielleicht sogar günstiger geworden?
Wer schon etwas länger in der Psychiatrie arbeitet, wird sich möglicherweise noch an die Einführung des TARPSY-Tarifsystems erinnern. Auch für die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich bedeutete dies in der Einführungszeit einen grossen Anpassungsaufwand und erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen dem neu aufgestellten Medizin-Controlling und den Klinikvertretenden. Bei den Autoren der Studie «Cost of Psychiatric Inpatient Treatment for Dementia in Switzerland: A Case-Level Analysis of Billing Data.», Elena Bleibtreu (ehemalige Leiterin des Medizin-Controllings) und Dr. med. Florian Riese (Leitender Arzt Alterspsychiatrie und Psychotherapie) entstand in der Folge die Idee, die Kosten für die Demenzversorgung mit TARPSY-Daten nicht nur für die Abrechnung der Behandlungsfälle in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich einzusetzen. Stattdessen wollten wir die Daten für die gesamte Schweiz benutzen, um die Gesamtkosten für die Behandlung aller Demenzpatientinnen und -patienten in psychiatrischen Kliniken zu berechnen.
Genauer hinschauen zahlt sich aus
Dank TARPSY sind nun in Bezug auf die stationären Behandlungskosten in der Psychiatrie nicht mehr nur Schätzungen erforderlich, sondern es sind die effektiven Kosten auf Ebene jedes einzelnen Behandlungsfalls verfügbar. Zusammengerechnet ergeben sich daraus die Gesamtkosten über alle Kliniken in einem Jahr. Und siehe da: Die effektiven Kosten für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Hauptdiagnose Demenz in den psychiatrischen Kliniken der Schweiz betrugen 2019 "nur" CHF 51 Mio. Das ist selbstverständlich immer noch sehr viel Geld, allerdings deutlich weniger als vorangegangene Schätzungen angedeutet hatten. Zukünftige Kostenanstiege starten also ebenfalls von einem deutlich geringeren Ausgangswert als befürchtet.
Was haben wir ausserdem noch bei dem Forschungsprojekt gelernt? Manchmal kann gerade die Zusammenarbeit über die Grenzen der Berufsgruppen hinweg völlig neue Ideen bringen. Und: TARPSY hat sich gelohnt - zumindest zur Verbesserung der Forschungsmöglichkeiten.
Bleibtreu E & Riese F. (2025) Cost of Psychiatric Inpatient Treatment for Dementia in Switzerland: A Case-Level Analysis of Billing Data. Int J Geriatr Psychiatry. 2025 Jul;40(7):e70122.