Peers in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Seit 2024 verfolgt die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie das Ziel, ein zeitgemässes und zielgruppengerechtes Peerangebot zu etablieren. Vergangenes Jahr konnten dabei mehrere zentrale Meilensteine erreicht werden. Es gelang, junge Erwachsene als Peers zu gewinnen, die im Rahmen eines Projekts gemeinsam mit den Fachpersonen der Klinik das neue Peerangebot aufgebaut haben.
Joëlle Thélin, Psychologin mbA, KD Dr. med. Dagmar Pauli, Stv. Direktorin und Chefärztin, und KD Dr. med. Maurizia Franscini, Chefärztin und Leiterin Ambulatorien der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie als treibende Kräfte hinter dem Peerangebot.
Die 14 jungen Peers im Alter von 18 bis 25 Jahren verfügen alle über eigene Krisenerfahrungen, die sie erfolgreich bewältigt haben. Sie befinden sich heute in einer stabilen Lebensphase und bringen ihre Erfahrungen gezielt ein, um Jugendliche in ihrem Genesungsprozess zu begleiten, eine positive Haltung sowie Hoffnung zu vermitteln. Darüber hinaus unterstützen sie aktiv die Weiterentwicklung des klinischen Angebots der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Gleichzeitig bietet ihre Tätigkeit den Peers die Möglichkeit, Selbstwirksamkeit zu erleben und den eigenen Recoveryprozess weiter zu stärken.
Innovative und kreative Angebotsentwicklung
Der Einbezug junger Erwachsener stellte ein zentrales Element des Projekts dar. Entsprechend wurde vorwiegend mit Co-Creation-Workshops gearbeitet, um das Peerangebot zu entwickeln. Bei der Konzeption und Durchführung wurden wir vom Startup gomental.health fachlich unterstützt.
Peers bei der Entwicklung des Angebots in den Co-Creation-Workshops.
In einer kreativen Arbeitsumgebung und mit innovativem Ansatz hatten die Peers die Möglichkeit, Herausforderungen entlang der gesamten Behandlungskette zu reflektieren und zu benennen. Besonders Übergänge innerhalb der Behandlungsprozesse wurden dabei als anspruchsvoll erlebt.
PeerPage zur Überbrückung der Wartezeit
Um Jugendliche zu erreichen, die auf einen Abklärungs- oder Behandlungsplatz warten, wurde die sogenannte PeerPage entwickelt. Auf dieser Website stehen sechs Videos zu zentralen Themen im Zusammenhang mit der Behandlung psychischer Erkrankungen zur Verfügung. Die inhaltliche Gestaltung der Videos erfolgte durch die Peers selbst, begleitet von professionellen Filmschaffenden.
Die PeerPage mit vielen nützlichen Informationen zur Überbrückung der Wartezeit auf eine Behandlung.
In den Beiträgen berichten die Peers authentisch, konstruktiv und ermutigend von ihren Erfahrungen. Unter anderem führen sie durch eine Station und erläutern Skills, die ihnen in herausfordernden Situationen geholfen haben. Die positive Wirkung der Videos zeigt sich beispielsweise darin, dass ein Jugendlicher nach dem Ansehen der Videos den Wunsch äusserte, selbst Peer zu werden, was ihn motivierte, seinen Substanzkonsum zu reduzieren.
Ein weiteres Video richtet sich gezielt an Angehörige. Darin beschreiben die Peers, welche Unterstützung ihnen geholfen hat oder welche sie sich während ihrer Erkrankung von ihren Familien gewünscht hätten. Rückmeldungen zeigen, dass es gelungen ist, eine Sprache zu finden, die auch Angehörige emotional erreicht und ihnen Orientierung bietet.
Peer-to-Peer-Beratung gestartet
Um Jugendliche im weiteren Verlauf des Behandlungsprozesses zu unterstützen, steht seit Februar 2026 zusätzlich eine Peer-to-Peer-Beratung zur Verfügung. Das Peerangebot ist als ergänzender Bestandteil in die bestehenden Abläufe der Klinik eingebunden. Die Peers begleiten Jugendliche insbesondere in Übergangsphasen, beispielweise beim Wechsel von einem stationären in ein ambulantes Setting, und bringen ihre Erfahrungsexpertise gezielt ein, ohne dabei therapeutische Aufgaben zu übernehmen. Die Verantwortung für Diagnostik, Behandlung und Fallführung liegt jederzeit bei den zuständigen Fachpersonen. Die Zusammenarbeit erfolgt in enger Abstimmung mit dem Behandlungsteam und unter direkter supervisorischer Begleitung. Bei fachlichen oder krisenhaften Situationen leiten die Peers direkt an die verantwortlichen Behandelnden über. Dadurch bleibt die Unterstützung durch die Peers klar verortet und fachlich gut abgesichert.
Um eine hohe Qualität der Beratungen sicherzustellen und den Peers Sicherheit in ihrer Rolle zu vermitteln, wurde eine interne Schulung entwickelt. Diese kombiniert die ENSA-Schulung «Erste Hilfe Fokus Jugendliche» mit projektspezifischen Inhalten wie Peerkompetenz und Gesprächsführung. An insgesamt vier Schulungstagen eigneten sich die Peers mit grossem Engagement fachliches Wissen an, reflektierten ihre eigenen Erfahrungen und übten praxisnah Gesprächstechniken.
Ein Teil des Peer-Teams während der Projektarbeit zur Entwicklung des Peerangebots.
Die Rückmeldungen zum Projekt sind durchwegs sehr positiv und die Peers zeigen ein ausserordentliches Mass an Motivation sowie Engagement. Die Arbeit mit jungen Peers weist ein grosses Potenzial auf und soll als integraler Bestandteil einer zukunftsorientierten psychiatrischen Versorgung weiterentwickelt und ausgebaut werden.