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Ein Preis für gelebten Kulturwandel

Was passiert, wenn eine Organisation Gleichstellung nicht nur propagiert, sondern Tag für Tag lebt? Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich liefert seit Jahren die Antwort – und wurde dafür mit dem Klara Landau-Preis 2025 ausgezeichnet.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza, Direktorin Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, nimmt den Klara Landau-Preis 2025 entgegen. (Bild: Frank Brüderli)

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza, Direktorin Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, nimmt den Klara Landau-Preis 2025 entgegen. (Bild: Frank Brüderli)

Die Medizinische Fakultät der Universität Zürich hat am 10. Dezember 2025 zum zweiten Mal den Klara Landau-Preis verliehen. Die mit CHF 5'000 dotierte Auszeichnung geht in diesem Jahr an die Mitarbeitenden der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.

Gewürdigt wird ihr über viele Jahre hinweg konsequentes Engagement für Gleichstellung, Diversität und eine moderne Arbeitskultur. «Mit dem Preis wollen wir einen Kulturwandel anstossen und Vorbilder sichtbar machen, die den Weg weisen», sagt Diana Baumgarten, Leiterin Nachwuchsförderung und Chancengleichheit an der Medizinischen Fakultät. Die Auszeichnung würdige einen Transformationsprozess, den die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie seit mehr als 15 Jahren unbeirrt in Richtung mehr Gleichstellung und Vielfalt vorantreibe.

Wandel mit langer Vorgeschichte

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie überzeugte die Jury durch eine Kombination aus strukturellen Reformen, gezielter Nachwuchsförderung und einer Kultur des Vertrauens. Als die heutige Klinikdirektorin Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza vor 15 Jahren ihr Amt antrat, waren Klinik und Forschung praktisch ausschliesslich von Männern geführt. Heute stehen sechs Professorinnen und mehrere Chef- und Leitende Ärztinnen an der Spitze – ein Führungsprofil, das die Belegschaft widerspiegelt. Es konnten sogar drei Professuren verstetigt werden - eine Ausnahme im Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Klinik beschäftigt zusammen mit der Forschung insgesamt über 500 Mitarbeitende, viele davon Frauen in verantwortungsvollen Positionen.

Familienfreundliche Modelle, gelebte Vielfalt und Kollaboration

Flexible Teilzeitmodelle und eine verlässliche Dienstplanung gehören in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie längst zum Alltag – und werden kontinuierlich weiterentwickelt. Damit werden junge Ärztinnen und Ärzte entlastet, die Familie und Beruf vereinbaren wollen. Co-Leitungen auf den verschiedenen Hierarchiestufen, zwischen Leitenden Ärztinnen und Ärzten, aber auch zwischen Ärztinnen, Ärzten und Psychologinnen resp. Psychologen schaffen zudem neue Möglichkeiten der Arbeitsorganisation.

Auch Forschenden eröffnet die grössere zeitliche Flexibilität Freiräume, um Projekte voranzutreiben, Daten auszuwerten oder wissenschaftliche Kooperationen zu pflegen, ohne dafür auf die eigene Karriere verzichten zu müssen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie ist zudem schon früh Wege der verbindlichen Vernetzung gegangen. So ist zum Beispiel ein Professor hälftig am Kinderspital Zürich und an der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie angesiedelt und eine weitere Professur zusätzlich auch in der Erwachsenenpsychiatrie und Psychotherapie.

Gleichzeitig fördert die Klinik eine Arbeitskultur, die Eigeninitiative stärkt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Klinik und Forschungsteam bewusst in den Mittelpunkt stellt. Assistenzärztinnen und -ärzte werden eng in die Planung und Umsetzung der Lehre und Weiterbildung einbezogen. «Mir war es stets wichtig, meine Mitarbeitenden zur Übernahme von Verantwortung zu ermutigen und ihnen gleichzeitig auch ausreichende Kompetenzen zu geben. Das stärkt nicht nur ihr Engagement, sondern kommt letztlich sowohl unseren Patientinnen und Patienten, als auch der Qualität unserer Forschung zugute», betont Susanne Walitza, die den Preis zusammen mit einigen Kolleginnen und Kollegen stellvertretend für das gesamte Team an der Fakultätsversammlung entgegennahm.

Wissenschaftliche Breite als Standortvorteil

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie zeichnet sich durch eine wachsende Zahl innovativer Diagnostik- und Therapieangebote aus und beteiligt sich an zahlreichen nationalen wie internationalen Forschungsprojekten, etwa dem Horizon-Projekt BootStRaP, das die Internetnutzung von Jugendlichen europaweit untersucht. Hinzu kommen klinikübergreifende Programme, in denen Lehre, Forschung und Versorgung eng verzahnt werden.

Die Klinik versteht sich zunehmend als Ort, an dem wissenschaftliche Ideen ebenso selbstverständlich entstehen wie neue Behandlungskonzepte – und an dem beides sich gegenseitig befruchtet. Nachwuchsforschende profitieren von diesem interdisziplinären, kollaborativen und stimulierenden Umfeld, meint Susanne Walitza.

Klara Landau-Preis

Die Auszeichnung ist nach der emeritierten UZH-Professorin Klara Landau benannt, die sich über Jahrzehnte für faire Karrierewege in der akademischen Medizin engagiert hatte und an der Preisverleihung teilnahm. Mit dem Preis sollen Initiativen wie diejenige der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sichtbar gemacht und andere damit ermutigt werden, ebenfalls neue Wege zu gehen.

In diesem Jahr gingen insgesamt sechs Bewerbungen ein, berichtet Diana Baumgarten. Darunter befanden sich auch Klinikleitungen aus dem UniversitätsSpital Zürich, die ebenfalls vielversprechende Ansätze verfolgen, um Gleichstellung, Nachwuchsförderung und eine vertrauensvolle Arbeitskultur zu fördern. Dies zeige, dass sich die Universitäre Medizin auf einem insgesamt positiven Entwicklungspfad befinde.

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