<img height="1" width="1" style="display:none" src="https://www.facebook.com/tr?id=839018030151255&amp;ev=PageView&amp;noscript=1">

Forschung verstehen, Psychiatrie erleben

Vom Labor bis zur Klinik, vom Gen bis zum Verhalten: Im Mantelstudium der Psychiatrie erhalten Medizinstudierende einen unmittelbaren Einblick in die moderne Wissenschaft. Professorinnen und Professoren der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zeigen ihnen, wie vielfältig und praxisnah psychiatrische Forschung heute ist.

Prof. Dr. sc. nat. Silvia Brem ist konkretes Erleben aktueller Forschungsmethoden bereits im Medizinstudium besonders wichtig.

Prof. Dr. sc. nat. Silvia Brem ist konkretes Erleben aktueller Forschungsmethoden bereits im Medizinstudium besonders wichtig.

Wie lässt sich psychiatrische Forschung greifbar machen – gerade für Studierende, die noch am Anfang ihres Medizinstudiums stehen? Für Prof. Dr. sc. nat. Silvia Brem, ausserordentliche Professorin für kognitive Neurowissenschaften des Kindes- und Jugendalters, ist die Antwort klar: Indem man sie dorthin bringt, wo Forschung tatsächlich passiert. Im Mantelstudium «Biowissenschaftliche Methoden zur Erforschung psychiatrischer Krankheitsbilder» führt sie angehende Ärztinnen und Ärzte direkt in die Labore und Forschungsgruppen am Standort Zürich.

Das Mantelstudium beginnt ab dem zweiten Studienjahr und begleitet die Studierenden bis ins vierte. Als fester Bestandteil des Kernstudiums vermittelt es grundlegende Methodenkenntnisse der psychiatrischen Forschung. Gleichzeitig eröffnet es einen Überblick über die wissenschaftliche Arbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ebenso wie in der Erwachsenen- und Alterspsychiatrie. «Wir möchten zeigen, welche Störungsbilder hier erforscht werden und wie breit das methodische Spektrum ist», sagt Silvia Brem.

Im Mittelpunkt stehen die Forschungsmethoden. An der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit sehr unterschiedlichen Ansätzen – von molekularbiologischer Grundlagenforschung über genetische Analysen bis hin zu klinischen Studien. Diese Vielfalt soll für die Studierenden erlebbar werden. Ein Beispiel stellt die Forschung von Prof. Dr. Edna Grünblatt, Leiterin des Labors für translationale Molekularpsychiatrie der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, dar, die genetische und umweltbezogene Risikofaktoren bei neuroentwicklungsbezogenen Störungen wie ADHS untersucht. Die Studierenden lernen in ihrem Labor molekulargenetische und biochemische Verfahren kennen und erfahren, welche Fragestellungen hinter den Experimenten stehen. Wo immer möglich, wird die Theorie durch praktische Einblicke ergänzt: durch das Beobachten von Experimenten, das Mitwirken an einzelnen Arbeitsschritten oder die Auswertung von Daten.

Auch die eigene Forschungsgruppe von Silvia Brem ist Teil des Programms. In der Developmental Cognitive Neuroscience Group erforscht sie zusammen mit ihrem Team die Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen sowohl bei typischer Entwicklung, als auch bei Störungsbildern wie Lese- und Rechtschreibstörung, ADHS oder Zwangsstörung. Bei Besuchen im EEG-Labor erleben die Studierenden, wie sich Hirnaktivität mit hoher zeitlicher Auflösung messen lässt. So wird sichtbar, wie schnell und in welchen Abläufen das Gehirn Informationen etwa beim Lesen, bei der Sprachverarbeitung oder bei der Entwicklung von Selbstkontrolle verarbeitet.

Studierende mit unterschiedlichen Interessen

Was die Studierenden besonders interessiert, ist unterschiedlich. Einige begeistern sich vor allem für die wissenschaftlichen Methoden, die meisten möchten jedoch mehr über psychische Störungen erfahren. Entsprechend werden die Methoden stets im Zusammenhang mit konkreten Krankheitsbildern vermittelt. Besonders engagierte Studierende nutzen das Mantelstudium als Einstieg in eine Master- oder Doktorarbeit im Bereich Psychiatrie – und knüpfen erste Kontakte zu Forschungsgruppen.

Doch auch für jene, die später primär klinisch tätig sein werden, ist das Angebot wertvoll. Sie erwerben ein solides psychiatrisches Grundlagenwissen und profitieren von einem breiten Blick auf das Fach. «Uns ist wichtig, Dozierende aus möglichst vielen Bereichen einzubeziehen – von der Kinder- und Jugendpsychiatrie bis zur Erwachsenen- und Alterspsychiatrie», betont Brem.

Die Rückmeldungen der Studierenden werden regelmässig eingeholt und fliessen in die Weiterentwicklung des Mantelstudiums ein. Ein Wunsch wird dabei besonders häufig geäussert: mehr Praxis - weniger Frontalunterricht, mehr eigenes Erleben. «Das verstehen wir gut», sagt Brem, «und genau das entspricht auch unserem eigenen Anspruch an eine zeitgemässe Lehre.»

Seite als PDF herunterladen