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Prognoseinstrumente in der Forensik

Metaanalysen zu Prognoseinstrumenten werden in der forensischen Psychiatrie eingesetzt, um Risikoeinschätzungen transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten. Das Ziel ist ein verhältnismässiges und wirksames Risikomanagement zur bestmöglichen Evaluation der Betroffenen sowie zum Schutz der Öffentlichkeit.

Prof. Dr. med. Elmar Habermeyer, Direktor Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. Lisa Holper, Oberärztin Gutachtenstelle Erwachsenenforensik

Prof. Dr. med. Elmar Habermeyer, Direktor Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. Lisa Holper, Oberärztin Gutachtenstelle Erwachsenenforensik

In der forensischen Psychiatrie werden Prognoseinstrumente eingesetzt, um das Risiko von z. B. Regelverstössen oder erneuten Straftaten bei straffällig gewordenen Personen strukturiert, einheitlich und nachvollziehbar einzuschätzen. Prognoseinstrumente helfen dabei, relevante Risiko- und Schutzfaktoren systematisch zu erfassen und daraus den Behandlungsbedarf sowie Lockerungs- bzw. Entlassungsmöglichkeiten abzuleiten. Dabei stellen Prognoseinstrumente wichtige Hilfsmittel dar, sind aber nie die alleinige Entscheidungsgrundlage, denn die Ergebnisse der Risikoerfassung mittels solcher Instrumente werden mit einer fachlichen Beurteilung des individuellen Falles verschränkt.

Wichtige Hilfsmittel

Dennoch kommt den Resultaten solcher Instrumente eine weitreichende Bedeutung zu, weshalb es wichtig ist, deren Eignung zur Erfassung des Rückfallrisikos zu überprüfen. Dazu sind Metaanalysen besonders hilfreich, weil sie viele einzelne Studien bündeln und so ein robusteres Gesamtbild liefern als einzelne Untersuchungen an kleineren Stichproben. Metaanalysen helfen uns einzuschätzen, wie gross ein Effekt im Durchschnitt ist, z. B. in Bezug auf die Vorhersagegüte eines Prognoseinstruments oder die Wirksamkeit einer Behandlung. Ebenso können Metaanalysen Bedingungen identifizieren, unter denen Prognoseinstrumente oder Behandlungen besser oder schlechter funktionieren (z. B. je nach Risikoniveau, Kontext oder Zielkriterium). Schliesslich tragen Metaanalysen zur Qualitätssicherung bei, indem sie Hinweise auf mögliche Verzerrungen (z. B. Publikationsbias oder Interessenkonflikte) liefern und damit eine evidenzbasierte, transparente Weiterentwicklung von Praxisstandards unterstützen.

Beurteilung der Vorhersagegüte im Fokus

In den Jahren 2024 und 2025 wurden in der Forensischen Psychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich mehrere Metaanalysen zur Vorhersagegüte verschiedener Prognoseinstrumente durchgeführt. Dabei konnte auf der Basis eines Datensatzes aus 217 Studien mit 46'857 Personen gezeigt werden, dass die häufig eingesetzte Psychopathy Checklist-Revised (PCL-R) hinsichtlich allgemeiner und gewalttätiger Straftaten eine gute Vorhersagegüte aufweist, während sie hinsichtlich Sexualdelikte deutlich weniger aussagekräftig ist (Holper, Ehrbar, et al., 2025). Ausserdem zeigte sich, dass die Vorhersagekraft für erneute Gewaltstraftaten in den USA geringer ist als in Kanada und Europa. Eine weitere Analyse wies auf, dass der sogenannte Static-99R eine gute Vorhersagegüte und insbesondere eine hohe Spezifität bei Sexualdelikten aufweist, während eine Kombination mit dem Prognoseinstrument STABLE-2007 keinen zusätzlichen Nutzen brachte (Holper, Cerullo, et al., 2024). Auch hier konnten mithilfe eines sehr grossen Datensatzes, bestehend aus 162 Studien und 155'442 Personen, im Vergleich zu früheren Studien deutlich tragfähigere Aussagen zum Rückfallrisiko getroffen werden. Zudem haben die Analysen von 37 Studien mit 30'394 Fällen gezeigt, dass spezialisierte Behandlungsprogramme für Personen mit mittlerem bis hohem Risiko für erneute Sexualdelikte einen positiven Behandlungseffekt mit geringerer Rückfälligkeit aufweisen (Holper, Habermeyer, et al., 2025); (Holper, Mokros, et al., 2024).

Ein sich laufend wiederholender Prozess

Die aktuellen Resultate der hier durchgeführten Metaanalysen ermöglichen es, die Aussagekraft von Prognoseinstrumenten realistisch zu beurteilen und auf dieser Basis Anwendungsmöglichkeiten, aber auch die Grenzen der Anwendung (z.B. hinsichtlich der oftmals fehlenden Eignung für Straftäterinnen) zu beschreiben. Die regelmässige Aktualisierung solcher Analysen ist erforderlich, weil laufend neue Studien erscheinen, neue Methoden und Praktiken entwickelt werden und sich dadurch die Gesamtaussage zur Aussagekraft von Prognoseinstrumenten oder zur Wirksamkeit von Behandlungen verändern kann. Daher wird angestrebt, in regelmässigen Abständen weitere Metaanalysen durchzuführen, um einen kontinuierlichen Beitrag zu einer verhältnismässigen und wirksamen Risikoerfassung zu leisten. Auf diese Weise konnte die Forschung der Forensischen Psychiatrie und Psychotherapie einen wertvollen Beitrag zur Qualitätssicherung der Begutachtung erbringen.


Bibliografie

Holper, L., Cerullo, E., Mokros, A., & Habermeyer, E. (2024). Predictive and incremental validity of the Static-99, Static-99R, and STABLE-2007 for sexual recidivism: A diagnostic test accuracy network meta-analysis (DTA-NMA). Psychological Assessment, 36(2), 134–146. https://doi.org/10.1037/pas0001291

Holper, L., Ehrbar, C., Fancellu, F., Hauser, N. C., Habermeyer, E., & Mokros, A. (2025). Criterion validity of the psychopathy checklist in legal contexts: An updated meta-analysis. Journal of Personality Assessment, 107(5), 547–562. https://doi.org/10.1080/00223891.2025.2469268

Holper, L., Habermeyer, E., & Mokros, A. (2025). A multimodel meta-analysis assessing moderators of sexual recidivism as an indicator of treatment effectiveness in persons with sexual offense histories. Journal of Experimental Criminology, 21(2), 503–526. https://doi.org/10.1007/s11292-023-09600-x

Holper, L., Mokros, A., & Habermeyer, E. (2024). Moderators of sexual recidivism as indicator of treatment effectiveness in persons with sexual offense histories: An updated meta-analysis. Sexual Abuse, 36(3), 255–291. https://doi.org/10.1177/10790632231159071

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