Neues alterspsychiatrisches Angebot AGIL
Die Zahl der älteren Betroffenen mit einer psychischen Erkrankung, die häufig auch kognitive Defizite und körperliche Gebrechen aufweisen, nimmt im Kanton Zürich kontinuierlich zu. Aufgrund der epidemiologischen Entwicklung wird sich diese Situation in den nächsten Jahren noch verschärfen. Da die vorhandenen ambulanten alterspsychiatrischen Therapieangebote die aktuelle Nachfrage nicht abdecken können, kommt es oft zu vermeidbaren stationären Einweisungen. Um diese Lücke in der Grundversorgung zu schliessen, weitet die Klinik für Alterspsychiatrie ihre Angebote im Bereich des Konsiliar- und Liaisondienstes aus und ergänzt sie mit einem „Aufsuchenden Gerontopsychiatrischen Interprofessionellen Liaisondienst AGIL“. AGIL steht ab dem 1. Juni 2014 den Betroffenen im Raum Zürich zur Verfügung und bietet Therapien im eigenen Umfeld an.
Zunahme körperlicher und psychischer Erkrankungen im Alter
Der Anteil der über 65-jährigen an der Zürcher Bevölkerung wird von 15.4% im Jahr 2000 auf 18% im Jahr 2020 ansteigen. Insgesamt leben Menschen in westlichen Ländern länger und beanspruchen im späteren Lebensalter mehr Gesundheitsleistungen. Die Tendenz der letzten Jahre zeigt, dass auch in der Alterspsychiatrie die Zahl der Patientinnen und Patienten steigt. Die körperlichen Erkrankungen, die ältere Menschen oft aufweisen, führen auch zu psychischen Störungen. Diese Multimorbidität im Alter erschwert den Verlauf der Krankheiten und deren Therapie. Die Immobilität und die soziale Isolation nehmen zu und führen zu zusätzlichen Beeinträchtigungen älterer Personen.
Vorteile ambulanter alterspsychiatrischer Versorgung
Die stationäre Alterspsychiatrie im Kanton Zürich weist eine konstant hohe Belegung auf. Der Druck, Menschen mit psychischen Störungen und zusätzlichen nicht-psychiatrischen Diagnosen sowie sozialem Versorgungsdefizit aufzunehmen, steigt, weil diese Personen in ihrem eigenen Lebensumfeld nicht ausreichend ambulant versorgt werden können. Die Nachfrage nach alterspsychiatrischer Therapie in den eigenen Wänden aber auch in den Alters- und Pflegeheimen steigt weiter an. Dabei hat die akute Behandlung älterer Patienten in ihrem angestammten Umfeld gegenüber einer stationären Therapie Vorteile: Sie schneidet weniger tiefgreifend in das Alltagsleben der Betroffenen und ihrer Angehörigen ein, ist weniger stigmatisierend und die verstärkende Wirkung von Spitalaufenthalten auf die sozialen Behinderungen der Patienten entfällt. Nicht zuletzt ist die ambulante Therapie auch kostengünstiger und reduziert den Bedarf für kostenintensive stationäre Behandlungen.
Neue ambulante und aufsuchende Behandlungsangebote in der Alterspsychiatrie
Die Klinik für Alterspsychiatrie (KAP) der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich möchte dieser Entwicklung gerecht werden und baut ihre ambulanten und konsiliarischen Angebote aus. Aktuell versorgt die KAP in ihrem Ambulatorium und in der Memory Clinic im Gerontopsychiatrischen Zentrum Hegibach in Zürich sowie mit ihrem konsiliarischen Angebot in Alters- und Pflegeheimen zahlreiche alterspsychiatrische Patienten. Die Nachfrage der Alters- und Pflegeheime übersteigt jedoch das bestehende Angebot. Zudem besteht ein grosser Bedarf nach aufsuchenden Behandlungsangeboten, die Betroffene auch zuhause therapieren können, da viele ältere Menschen aufgrund ihrer Immobilität nicht in der Lage sind, die Kliniken und Institutionen selbst aufzusuchen.
Durch das Modell-Projekt „Aufsuchender Gerontopsychiatrischer Interprofessioneller Liaisondienst AGIL“, welches am 1.Juni 2014 startet, werden in Zukunft Therapien im eigenen Umfeld der Betroffenen möglich. Der neue Dienst soll als Konsiliar- und Liaisondienst sowie als aufsuchendes Angebot die ambulante Versorgung im Kanton Zürich stärken und stationäre Aufnahmen verhindern helfen. Das interprofessionelle Team, bestehend aus einem Facharzt, einer Pflegefachperson und einer Sozialarbeitenden, bietet nicht nur medizinische Therapien, sondern auch pflegerische und soziale Interventionen sowie Team-Supervision und -Schulungen in Alters- und Pflegeheimen an. Die Betroffenen können durch ihren Hausarzt, einen niedergelassenen Psychiater, den Heimarzt oder durch die betreuenden Personen der Alters- und Pflegeheime oder anderer Institutionen angemeldet werden. In den Alters- und Pflegeheimen initiiert AGIL im Rahmen von regelmässig stattfindenden Visiten gemeinsam mit dem Pflegeteam vor Ort alterspsychiatrische Therapien und führt Fallbesprechungen, Visiten und Schulungen durch.
Betroffene, die an einer akuten alterspsychiatrischen Erkrankung leiden, aber nicht in der Lage sind, für die Therapie eine Klinik oder Institution aufzusuchen, profitieren durch AGIL von ärztlichen Therapien, pflegerischen Assessments und Interventionen sowie sozialen Hilfeleistungen. Den Betreuenden werden alterspsychiatrische Therapie- und Interventionsmöglichkeiten vermittelt und in den Institutionen das alterspsychiatrische Knowhow verbessert. Das Ziel ist es, die Selbstständigkeit älterer psychisch erkrankter Menschen in ihrem gewohnten Umfeld möglichst lange zu erhalten.
Stand: 22. Dezember 2015