Erste klinische Behandlungen mit Psilocybin zeigen deutliche Wirkung bei therapieresistenter Depression
Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich hat als eine der ersten Kliniken weltweit die Wirksamkeit von Psilocybin bei schwer zu behandelnder Depression im klinischen Alltag untersucht und ihre Resultate jüngst in der renommierten Zeitschrift The Lancet Regional Health Europe veröffentlicht. Die Ergebnisse bestätigen eine deutliche Reduktion der depressiven Symptome bei therapieresistenten Betroffenen. Sie weisen aber auch darauf hin, dass die Ausprägung der Symptomlinderung unter Realbedingungen etwas geringer ausfallen könnte als in den meisten regulierten Studien.
Diese Erkenntnisse sind von internationaler Bedeutung, da sie als Referenz für mehrere europäische Länder dienen können, die zurzeit den Zugang zu Psilocybin in der Therapie über Ausnahmeregelungen prüfen. Zudem zeigen sie auf, wie eine strukturierte Behandlung und Nachsorge im Versorgungsalltag konkret durchgeführt werden können.
Die Depression ist die weltweit häufigste psychische Störung mit der höchsten Krankheitslast. Obwohl es heute viele wirksame Therapiemethoden für depressive Menschen gibt, ist die Erkrankung bei rund 30 bis 50 Prozent der Betroffenen schwer behandelbar.
Erfolgversprechende Studien mit Psilocybin
Die psychedelische Substanz Psilocybin hat in den vergangenen Jahren in kontrollierten Studien vielversprechende antidepressive Wirkung bei therapieresistenten Betroffenen gezeigt. Diese Studien fanden jedoch fast ausschliesslich unter hochstandardisierten Forschungsbedingungen mit streng ausgewählten Patientinnen und Patienten und fixen Behandlungsprotokollen statt. Für die psychiatrische Versorgung blieb daher die zentrale Frage offen, ob sich diese erfolgversprechenden Ergebnisse auch in die klinische Realität und somit auf Patientinnen und Patienten mit komplexen Krankheitsverläufen, Komorbiditäten, Begleitmedikation und individuellen Therapieprozessen übertragen lassen.
Deutliche Wirkung nachgewiesen
Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich hat die Wirksamkeit von Psilocybin als eine der ersten Kliniken weltweit unter Realbedingungen im klinischen Alltag untersucht und ihre Resultate jüngst in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet Regional Health Europe veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Reduktion der depressiven Symptomatik mit grosser Effektstärke, wobei die erste Sitzung jeweils die grösste Wirkung erzielte. Bei den nachfolgenden Sitzungen blieb die Verbesserung weitgehend stabil. Schwerwiegende oder anhaltende Nebenwirkungen wurden nicht festgestellt.
Die bis zu vier Psilocybin-Sitzungen sowie die Dosierung wurden therapeutisch individuell geplant, begleitet und mit den Patientinnen und Patienten nachbesprochen. Die depressive Symptomatik wurde mit etablierten Fragebögen erfasst und ausgewertet. Vor der Behandlung mit Psilocybin hatten die 19 erwachsenen Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter therapieresistenter Depression und hoher Krankheitslast im Verlauf ihrer bisherigen Therapien im Schnitt fünf verschiedene Antidepressiva erfolglos ausprobiert.
Resultate in den klinischen Alltag übertragbar - weitere Forschung notwendig
Die klinische Untersuchung ergänzt die bisherige Evidenz um wichtige und wertvolle Erkenntnisse. Dr. Johannes Jungwirth, Leiter der Psilocybin-Behandlungen am Zentrum für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie, hält fest: «Die meisten unserer Patientinnen und Patienten erlebten eine markante Verbesserung ihrer Symptome. Der Therapieprozess ist jedoch sehr individuell, weshalb wir nun die prädiktiven Faktoren genauer untersuchen wollen, um besser voraussagen zu können, welche Patienten eine besonders grosse Chance haben, auf die Substanz anzusprechen und somit von einer Behandlung mit Psilocybin zu profitieren.» Dies impliziere weitere gezielte klinische Studien zu neurophysiologischen Markern, zur optimalen Patientenauswahl, zur Anzahl und Frequenz der Sitzungen, zu Kosten-Nutzen-Einschätzungen, zu Langzeitwirkung und Sicherheit sowie zur therapeutischen Einbettung der Psilocybin-Behandlungen.
Wegweisend für die gesundheitspolitische Entwicklung
Die Schweiz gehört neben Kanada und Australien zu den einzigen Ländern, die unter strengen regulatorischen Bedingungen bereits heute Psilocybin zur Behandlung therapieresistenter Depression einsetzt. Mehrere europäische Länder planen zurzeit den Zugang zu Psilocybin in der Therapie über Ausnahmeregelungen und in den USA wird eine entsprechende Zulassung bis zum Ende dieses Jahres erwartet. Die Erkenntnisse aus der vorliegenden Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich können hierzu als Referenz dienen und zeigen auf, wie eine strukturierte Behandlung und Nachsorge im Versorgungsalltag konkret durchgeführt werden können.
Mehr zur Behandlung therapieresistenter Depression an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich erfahren Sie hier Psilocybin-unterstützte Therapie - Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK).
Verfasser
Kommunikation
Stand: 08. Juni 2026