Kinder- und Jugendpsychiatrie

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Covid-19-Pandemie: Inanspruchnahme der Notfall-Sprechstunde

Eine Reihe von nationalen und internationalen Studien zeigt, dass das psychische Wohlbefinden unserer Kinder und Jugendlichen, einerseits durch die Covid-19-Pandemie selbst, andererseits durch die getroffenen Sicherheitsmassnahmen, beeinträchtigt wird.

Zwei Befragungen bei Kindern und Jugendlichen, eine Elternbefragung, sowie eine Untersuchung der Akten unseres zentralisierten Notfalldienstes vor und während der Covid-19-Pandemie bestätigten diese Studien. Sie zeigen, dass die Häufigkeit aller Notdienstkontakte, nach einem anfänglichen Rückgang zu Beginn des ersten Lockdowns, in den folgenden Monaten anstieg und sich seitdem auf einem deutlich höheren Niveau als vor der Pandemie stabilisiert hat:

  • Die Zahl der telefonischen Notfallkontakte hat sich fast verdoppelt.
  • Die ambulanten Notfalleinschätzungen sind um 40 Prozent angestiegen.
  • Die notfallmässigen Überbrückungsinterventionen und die stationären Einweisungen von Minderjährigen in die Erwachsenenpsychiatrie, aufgrund fehlender Kapazitäten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, haben sich mehr als verdoppelt.
  • In einer Subgruppe von Jugendlichen erfassten wir die Häufigkeit der Suizidgedanken und des selbstverletzenden Verhaltens anhand der ambulanten Notfallberichte und Einweisungszeugnisse der Notfalluntersuchungen. Suizidgedanken und selbstverletzendes Verhalten wurden häufiger berichtet als dies vor Beginn der Covid-19 Pandemie der Fall war.

Unsere Daten geben deutliche Hinweise darauf, dass das kinder- und jugendpsychiatrische Gesundheitssystem über die gesamte Behandlungskette hinweg stark belastet ist und die Weitervermittlung von Jugendlichen, die eine kontinuierliche Therapie benötigen, immer schwieriger wird. Daher empfehlen wir, neben somatischen Massnahmen der Covid-19-Pandemie, auch die präventiven und therapeutischen Bemühungen zur Förderung der psychischen Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen zu priorisieren.

PD Dr. Gregor Berger und Prof. Dr. Susanne Walitza

Medienspiegel der KJPP zum Thema Covid-19