Bild Kopfzeile

Zwangsstörungen

Bei einer Zwangsstörung drängen sich wiederholt Gedanken, Handlungen oder Handlungsimpulse gegen den eigenen Willen auf. Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen werden vom Betroffenen selbst als sinnlos und übertrieben erlebt. Wehrt er oder sie sich gegen das Auftreten der Zwänge, entsteht eine unerträgliche Angst und Anspannung.

Nicht jede zwanghafte Verhaltensweise ist als Zwangsstörung zu werten. Erst, wenn zwanghafte Denkmuster oder Verhaltensweisen ein derartiges Ausmass annehmen, dass die Betroffenen zunehmend darunter leiden, Zeit dafür in Anspruch genommen und der Alltag beeinträchtigt wird, spricht man von einer krankhaften Zwangsstörung. Heute ist davon auszugehen, dass etwa 2% der Allgemeinbevölkerung unter Zwangsstörungen leiden. Es dauert oft viele Jahre, bis eine korrekte Diagnose gestellt und eine angemessene Therapie eingeleitet wird.

Ursache und Entstehung der Zwangsstörungen sind multifaktoriell bedingt. Unbehandelte Zwangsstörungen führen häufig zu erheblichen psychosozialen Beeinträchtigungen des Alltagslebens. Es besteht eine hohe Komorbidität an depressiven Verstimmungen.

Unter den therapeutischen Ansätzen kommen der Pharmakotherapie mit serotonerg wirksamen Antidepressiva und der kognitiv-behavioralen Psychotherapie eine besondere Bedeutung zu.

Da sich die Symptomatik von Zwangsstörungen und depressiven Erkrankungen häufig überschneidet, werden Zwangsstörungen am Zentrum für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich nach einem integrativen, auf den jeweiligen Einzelfall bezogenen Konzept auf den Spezialstationen B2 und C1 für Depressionen und Angsterkrankungen behandelt.

Das therapeutische Angebot umfasst neben einer differenzierten Abklärung individuelle Therapien, welche die psychologischen, biologischen und sozialen Aspekte der Erkrankung berücksichtigen:

  • Pharmakotherapie: Es kommen insbesondere antidepressive Medikamente, welche die Serotonin-Wiederaufnahme hemmen, zum Einsatz. Bei Vorliegen weiterer Symptome (zum Beispiel Angst, Ticks, wahnhafte Ideen) werden weitere medikamentöse Therapieschritte erwogen.
  • Im Vordergrund steht die Verhaltenstherapie. In deren Rahmen wird eine Konfrontation mit den inneren Zwängen bei gleichzeitiger Unterbindung von Angst auslösenden, das heisst vermeidenden Kontrollstrategien durchgeführt. Dieses Vorgehen stellt die Grundlage dar für die Umstrukturierung der vorherrschenden Denkmuster. Ferner sind die einzeltherapeutische Begleitung, die Gruppenpsychotherapie mit psychodynamischer Orientierung und psychoedukativen Elementen in den Gesamtbehandlungsplan eingebunden.
  • Einbezug der Angehörigen (bei Bedarf Paar- und Familiengespräche)
  • Milieu- und Soziotherapie: Erhalten, Wiedererlangen und Fördern der Selbstständigkeit in den verschiedenen Lebensbereichen wie Wohnen, Arbeit, Freizeit, Kontakt mit anderen
  • Hilfe und Unterstützung bei sozialen Problemen (Wohnung, Arbeit, Finanzen) und im Kontakt mit Sozialeinrichtungen
  • Ergotherapeutische Gruppen- und Einzeltherapie
  • Bewegungstherapeutische Gruppen- und Einzeltherapie, Physiotherapie
  • Musiktherapie

Die Anmeldung zur Aufnahme auf die Spezialstationen B2 und C1 für Depressionen und Angsterkrankungen erfolgt in der Regel über die vorbehandelnden niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte telefonisch und/oder schriftlich an den Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik oder an den Leiter des Zentrums für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie.

Eine tagesklinische Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Zwangsstörungen steht im Rahmen der Tagesklinik Lenggstrasse des Zentrums für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie zur Verfügung.

Stand: 18. August 2016

Weiterführende Informationen